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  Hans-Walter Leonhard:

Träume und das Unterbewußtsein
Die Traumtheorien von S. Freud und K. Leonhard und ihr Konzept des Unterbewußtseins - ein kritischer Vergleich

Für die Internet-Publikation bearbeitete Neufassung eines Kapitels aus dem Buch:  H.-W. Leonhard: Pädagogische Menschenkunde. Deskriptive Phänomenologie des Fühlens, Denkens und Wollens. Weinheim/München: Juventa 1996.
Inhalt:
1. Trauminhalte und unterbewußtes Es (Sigmund Freud)
2. Eine biopsychologische Interpretation des Träumens (Karl Leonhard)
3. Kritischer Vergleich zwischen S. Freud und K. Leonhard 

 

Einleitung

Gewöhnlich wird der Begriff "unterbewußt" oder "Unterbewußten" wie selbstverständlich in dem Sinne gebraucht, den ihm Freud gegeben hat: eine Instanz im Seelenleben, das sog. Es, das die eigentlichen Antriebskräfte, Wünsche und Begierden des Menschen umfaßt. Sie bleiben dem bewußten Ich verschlossen, beeinflussen aber dennoch entscheidend das Handeln. »Der Glaube an die psychische Freiheit«, so Freud, ist »ganz unwissenschaftlich« und muß »vor der Anforderung eines auch das Seelenleben beherrschenden Determinismus die Segel streichen« (1917/1969, S. 121).

Auch in der Pädagogik hat die Theorie von Freud großen Einfluß. Dies zeigt sich u. a. darin, daß es psychoanalytisch orientierte Richtungen der Pädagogik gibt (vgl. Treschner 1992), daß Freud durch die Aufnahme in das Standardwerk von Scheuerl (1979) den Rang eines ›Klassikers‹ der Pädagogik erhielt, und daß viele Pädagogen die Aussagen von Freud als wissenschaftlich gesicherte Erkenntnis betrachten: »Die prinzipielle Bedeutung psychoanalytischer Theorie und Praxis für das Verständnis pädagogischer Probleme ist unbestritten, weil sie vor allem die jeder pädagogischen Interaktion inhärenten unbewußten Anteile zum Gegenstand hat« (Gudjons 1993, S. 44).

Wegen ihrer weitreichenden Konsequenzen für jede Anthropologie und für das allgemeine Menschenbild soll deshalb die Argumentation von Freud, dem Vater der Psychoanalyse, geprüft werden, um dann die Analyse des Träumens und die Schlüsse auf das Unterbewußtsein vorzustellen, die bei Karl Leonhard zu finden sind. Abschließend folgt ein kritischer Vergleich der beiden Konzepte und des Menschenbildes, das in ihnen enthalten ist. 
 

Weiter zu den Abschnitten:

1. Trauminhalte und unterbewußtes Es
   (Sigmund Freud)
2. Eine biopsychologische Interpretation des Träumens
   (Karl Leonhard)
3. Kritischer Vergleich zwischen S. Freud und K. Leonhard